Camper-Trends 2026
Kompakte Vans, mehr Komfort – und Allrad-Reisemobile im Kommen
Was kommt in der Camper-Szene? Was geht? Wir haben bei Kai Müller vom Caravan Center Nord in Harrislee nachgefragt. “Wohnwagen sind in den vergangenen Jahren eher weniger geworden, erleben jetzt aber wieder eine kleine Renaissance”, sieht er. Motorisiert liegt weiterhin deutlich im Plus. „Das Wohnmobil ist für viele einfach die unkomplizierte Lösung“, sagt der Fachmann – ankommen, aufstellen, Pausetaste drücken. Ganz neu im Kommen sind geländetaugliche Reisemobile. In den Messehallen hat es davon einige sehen gegeben: Fahrzeuge mit Allradantrieb, die optisch und technisch teilweise an Expeditionsmobile erinnern und auch abseits befestigter Straßen und Wege Spaß machen.
Beim Reiseziel bleibt es für die meisten Camper allerdings klassisch: Europa steht weiterhin hoch im Kurs. Spanien und Italien gehören nach wie vor zu den Favoriten, zugleich zieht es viele in den Norden – Skandinavien ist beliebt, gerade wegen Naturerlebnis und Weite. Grundsätzlich zeigt sich seit Jahren ein stabiles Bild: Camping verzeichnet kontinuierlich Zuwachsdaten. Kai Müller führt das vor allem auf das Lebensgefühl zurück, das die Reiseform bietet: die Freiheit, flexibel zu sein, spontan die Route zu ändern, und die bewusste Entschleunigung draußen in der Natur.
Dazu kommt, dass Wohnmobile inzwischen immer komfortabler werden. Moderne Ausstattung wie Solaranlagen zur autarken Stromversorgung oder Dachklimaanlagen sei für viele Käufer längst kein Luxus mehr, sondern ein wichtiges Argument. Camping, so der Eindruck, entwickelt sich damit weiter, vom einfachen Urlaub im Freien hin zu einer Reiseform, die Natur und Unabhängigkeit mit zunehmend wohnlichem Komfort verbindet.
Bei Caravan Technik Mahl in Schuby beobachtet Simon Mahl eine klare Entwicklung: Der Trend geht zu kompakten Fahrzeugen. Sie sind im Komfort inzwischen ganz ähnlich wie ein klassisches Reisemobil – aber sie sind schmäler, wendiger und dadurch alltagstauglicher“, sagt Mahl. Gerade im Stadtverkehr spielt das eine große Rolle: leichter durch enge Straßen, besser zu parken und insgesamt einfacher im Handling. Auch in bergigen Regionen zeige sich der Vorteil, weil viele kompakte Modelle durch Gewicht und Abmessungen einfacher zu fahren sind.
Einen deutlichen Fortschritt sieht Simon Mahl in Sachen Elektrifizierung. Die ersten Elektromobile kommen auf den Markt und sollen das Reisen künftig leiser, effizienter und perspektivisch klimafreundlicher gestalten wollen.
Auch das Reiseverhalten verändert sich. Statt den Camper im Winter einzumotten, zieht es viele zunehmend in den warmen Süden. Wer mehrere Wochen oder Monate unterwegs ist, benötigt mehr Autarkie, stabile Kommunikation und Komfort wie im Alltag.
Entsprechend stark nachgefragt sind Nachrüstungen. Viele kommen gezielt in die Werkstatt, um ihre Fahrzeuge technisch aufzurüsten – etwa mit LTE-Antennen, damit Homeoffice und Videokonferenzen auch auf dem Stellplatz funktionieren. Ebenfalls gefragt sind HUB-Stützen für mehr Stabilität und Komfort beim Stehen sowie Solaranlagen, um unabhängig von Landstrom zu bleiben. Und selbst bei Haushaltsfunktionen wird nachgerüstet: Mini-Waschmaschinen mit Trockner lassen sich inzwischen in manchen Fahrzeugen integrieren – ein Detail, das vor allem bei längeren Reisen schnell zum echten Mehrwert wird.“Wir stellen zudem fest, dass Kunden immer größeren Wert auf Service, Handwerk und Qualität legen”, so Simon Mahl. Unterm Strich zeigt sich: Caravaning wird kompakter, vernetzter und stärker auf längere, flexible Reisezeiten ausgelegt.
Sebastian Treinat von der Wohnmobilarena in Bargenstedt ist sich sicher: Seit einigen Jahren schon sind Vans und Kastenwagen bei Campern im Vormarsch. “Sie sind besonders flexibel einsetzbar, für den langen Urlaub, für die kurze Auszeit und auch im Alltag als Zweitwagen”, so der Experte. Auch das Reiseverhalten hat sich verändert: Lange Urlaube sind längst nicht mehr so häufig wie früher, stattdessen wird öfter, dafür kürzer verreist. Eben mal ein Wochenende an die See, genau dafür sind Vans und Kastenwagen ideal: Vieles lässt sich dauerhaft im Fahrzeug verstauen und so fällt langes Packen vor Reiseantritt flach. Zudem seien diese Modelle auf dem Markt häufig vergleichsweise wertstabil. Auch das Thema Allrad spielt bei Kastenwagen und Vans inzwischen eine größere Rolle.
Neben den kompakten Fahrzeugen bleiben laut Sebastian Treinat auch Reisemobile weiterhin gefragt. Hier entwickle sich die Ausstattung spürbar weiter: elektrische Hubbetten, eine insgesamt bessere Technik und zugleich gut durchdachte Bauweisen.
